Nachruf Prof. Dr. Friedrich Vilsmeier
Die Vereinigung der Professorinnen und Professoren an den bayerischen Hochschulen – hlbBayern – trauert um ihren Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. Friedrich Vilsmeier, der am 15. November 2025 verstorben ist.
Neben seiner erfolgreichen Tätigkeit als Professor und langjähriger Dekan der Fakultät für Elektrotechnik an der Hochschule Schweinfurt leitete Fritz Vilsmeier ab 2001 viele Jahre den Verband der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer in Bayern e.V. (VHB) ehrenamtlich als Vorsitzender. Die damalige Bezeichnung des Verbandes war ihm stets sehr wichtig. Mit großem Engagement und Erfolg führte er den VHB durch eine lange und bewegte Zeitspanne voller Umbrüche und Entwicklungen an den bayerischen Hochschulen.
Die einstigen „Fachhochschulen“ heißen heute „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“ oder „Technische Hochschulen“. Neben der Lehre hat dort auch die Forschung erheblich an Bedeutung gewonnen. Absolventinnen und Absolventen erwerben inzwischen einen Bachelor- oder Masterabschluss, infolge des 1999 europaweit beschlossenen Bologna-Prozesses, statt eines Diploms. Die Besoldung der Professorinnen und Professoren hat sich von der bundesweit fixen C-Besoldung mit Dienstaltersstufen hin zur länderspezifischen W-Besoldung mit variablen Leistungsbezügen entwickelt. Bei all diesen Veränderungen setzte sich Fritz Vilsmeier konsequent für die Interessen der Professorenschaft, der Fachhochschulen und deren Absolventen ein.
Eine besonders komplexe und kräftezehrende Aufgabe war die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung angestoßene Besoldungsreform. Das Professorenbesoldungsreformgesetz von Februar 2002 verpflichtete die Bundesländer, ab Januar 2005 die neue W-Besoldung mit variablen Leistungsbezügen einzuführen – unter Einhaltung von Vorgaben wie Kostenneutralität und dem Verbot von Berufungen in die C-Besoldung. Fritz Vilsmeier und der Vorstand waren stark in die Umsetzung involviert. Ab 2003 konnte der VHB in einer Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des bayerischen Besoldungsgesetzes vertreten sein. In zahlreichen Sitzungen wurden erhebliche Verbesserungen für die Professorenschaft erreicht. Der Besoldungsdurchschnitt wurde in mehreren Schritten angepasst; die heutige Besoldung basiert noch auf diesem Ergebnis. Als Ausgleich für die nicht mehr mögliche Berufung von jüngeren Kolleginnen und Kollegen von einer C2- auf eine C3-Stelle wurde eine komplexe „Vertrauensschutz-Regelung“ entwickelt – ein besonderes Anliegen von Fritz Vilsmeier. Auch die Umsetzung der variablen Leistungsbezüge, die von den Hochschulleitungen vergeben werden und auch die Ruhegehälter betreffen, konnte flexibler und zweckmäßiger gestaltet werden.
Nach Inkrafttreten des Gesetzes Anfang 2005 entstand bei den Mitgliedern des Verbands und weiteren Beteiligten ein großer Beratungsbedarf zu Besoldungsfragen. Die W-Besoldung stieß nach dem holprigen Start im Jahr 2012 auf neue Herausforderungen: Das Bundesverfassungsgericht bewertete sie als nicht „amtsangemessen“. Der VHB unter Fritz Vilsmeiers Leitung forderte daraufhin eine Anpassung in Bayern. In Gesprächen mit dem Wissenschafts- und Finanzministerium wurden die Forderungen berücksichtigt. Mit der Einführung von drei Grundgehaltsstufen und einer Erhöhung des Besoldungsdurchschnitts konnte eine spürbare Verbesserung erreicht werden. Der VHB war aktiv an den notwendigen, komplexen Übergangsregelungen beteiligt.
Auch der Bologna-Prozess nahm Fritz Vilsmeier stark in Anspruch. Nachdem die Staatsregierung die Einführung beschlossen hatte, setzte sich der VHB besonders für die Berufsqualifizierung der Bachelorabschlüsse und für akzeptable Regelungen der Masterstudiengänge ein – stets im Sinne der Fachhochschulen und der Professorenschaft.
Um die Jahrtausendwende waren Politiker aller Bundesländer der Auffassung, dass die Strukturen und Führung der Hochschulen reformbedürftig seien. In Bayern ging man vorsichtiger vor. Der Entwurf des Hochschulgesetzes wurde vom damaligen Vorsitzenden des Hochschulausschusses, Herrn Dr. Spänle, ausgearbeitet. Dank Fritz Vilsmeiers gutem Kontakt zu Herrn Spänle konnte der VHB frühzeitig informell in das Gesetzgebungsverfahren eingebunden werden. Dabei konnten die Vertreter des VHB auf problematische Punkte hinweisen, die anschließend angepasst wurden. Im Mai 2006 trat das Bayerische Hochschulgesetz in Kraft und wurde erst 2022 durch das aktuelle HIG abgelöst.
Ein weiteres Anliegen von Fritz Vilsmeier war die Ansprache und Integration neuberufener Professorinnen und Professoren. Über viele Jahre informierten Vertreter des VHB die Neuberufenen im Rahmen des Didaktik-Grundkurses am DiZ über hochschulpolitische Angelegenheiten. Auf Wunsch von „Hochschule Bayern e.V.“, getragen von Präsidentinnen und Präsidenten, wurde die gemeinsame Informationsveranstaltung, die sogenannten „Kaminabende“, in den Kurs integriert.
Kontakte zu Hochschulen außerhalb Bayerns lagen Fritz Vilsmeier besonders am Herzen. Neben Verbindungen nach Baden-Württemberg (Verband VHW und hlbBW) und Niedersachsen war die Mitwirkung in der IFAG (Internationale Fachhochschul-Arbeitsgemeinschaft mit Beteiligten aus der Schweiz, Österreich und Baden-Württemberg) eine wertvolle Informationsquelle für die hochschulpolitische Arbeit in Bayern.
Innerhalb Deutschlands ist der Dachverband „Hochschullehrerbund e.V.“, den der VHB zusammen mit anderen Landesverbänden 1972 gegründet hatte, ein tragendes und unterstützendes Organ für hochschulpolitische Arbeit. Trotz großer Wertschätzung für die dort erbrachten Leistungen betonte Fritz Vilsmeier stets die Eigenständigkeit des VHB – sowohl in hochschulpolitischen Fragen als auch bei finanziellen Beteiligungen – und verteidigte sie gelegentlich erfolgreich.
Der Schwerpunkt von Fritz Vilsmeiers Arbeit lag auf den bayerischen Fachhochschulen. Mit seinen Kontakten zu Fachministern, Entscheidungsträgern im Wissenschafts- und Finanzministerium, dem bayerischen Landtag, den zuständigen Ausschüssen und verantwortlichen Politikern konnte er gezielt unterstützen. Seine bevorzugte Methode waren persönliche und direkte Gespräche mit den Entscheidern. Dies erforderte viele Reisen nach München sowie Vorbesprechungen mit Kollegen.
Die Professorinnen und Professoren der bayerischen HAW verneigen sich vor der Lebensleistung von Prof. Dr. Friedrich Vilsmeier und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Prof. Dr.-Ing. Katina Warendorf, Landesvorsitzende
